Die Grenzen zu Deutschland sind wieder offen und seit Kurzem gelten erste Lockerungen. Trotzdem hat die Corona-Krise die Schweiz verändert. Zur Infektionsprävention verbrachte man einen Grossteil der Zeit in den eigenen vier Wänden. Mit Auswirkungen auf das Konsum- und Kochverhalten.

Martina Gloor

Digitale Rezepte wurden in den vergangenen Monaten häufiger geklickt als je zuvor. Dass Schweizer in der Coronakrise neuen Gefallen am Kochen gefunden haben, bestätigten schon die leeren Gemüse-Auslagen beim Gang in den Supermarkt. Studien von Instituten wie der Luzerner Universität untersuchen jetzt, wie sich die Schweiz während der Corona-Krise ernährt hat.

Mit dem Kochlöffel gegen das Virus

Geschlossene Restaurants, finanzielle Sorgen und deutlich mehr Freizeit. Diese Umstände bewegten Schweizer auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie dazu, mit dem Kochlöffel gegen Corona-Langeweile zu kämpfen. Psychologen interpretieren den Trend zum Selbstgekochten als eine Bewältigungsstrategie für die Ausnahmesituation. Die gesamte Familie wurde in die Zubereitung frischer Gerichte mit eingebunden. Waren viele vor Corona noch beim blossen Gedanken an Selbstgekochtes gestresst, wurde das Kochen in der entschleunigenden Krisenzeit vielerorts zu einem Highlight. Denn es gab nicht viel anderes, worauf man sich freuen konnte.

Haltbares weicht Frischem

In den ersten Wochen der Krise war vom Kochtrend noch nichts zu sehen. Nüdeli in Konserven, haltbare Teigwaren und Dosen mit Pesto wurden kurz nach der Bekanntmachung erster Einschränkungen im Februar zur Mangelware. Nach dieser ersten Panikphase hat sich die Nachfrage Schritt für Schritt auf Mehl, Butter, Hefe, Eier, Gemüse und Obst verlagert. Anfangs war unklar, was noch kommen würde und man wollte vorbereitet sein. Je länger die Ausnahmesituation anhielt, desto mehr passte man das Leben langfristig an die neuen Bedingungen an. In dieser Anpassungsphase rückte gesunde Ernährung wieder in den Fokus. Ein Viertel der Bevölkerung gab gegenüber der Luzerner Hochschule an, derzeit öfter und bewusster zu kochen.

Wird das veränderte Kochverhalten nach COVID-19 anhalten?

Dass die Covid-19-Zeit in der Zukunft Spuren hinterlassen wird, dem ist sich die Forschungsgruppe des Luzerner Instituts für Kommunikation und Marketing IKM sicher. Man hätte in der Krise genügend Zeit gehabt, um Vorsätze zu fassen. So gaben 14 Prozent gegenüber den Wissenschaftlern an, nach der Krise bewusster auf ihre Gesundheit achten zu wollen. Offenbar hat ein Grossteil beim Zuhausebleiben Sport und gesundes Essen für sich entdeckt. Aus Gründen wie diesen wird die Pandemie das Konsum- und Freizeitverhalten der Schweizer langfristig verändern, meint man in Luzern.

Macht die Ausnahmesituation die Schweizer zu besseren Menschen? Es wirkt fast so, wenn man die Studienergebnisse liest. 15 Prozent wollen sich künftig nicht nur verstärkt der Gesundheit widmen, sondern auch mehr Zeit mit der Familie verbringen. Vielleicht beim gemeinsamen Kochen.

 

Image by sgrunden from Pixabay

Kommentare

Avatar
Sicherheitscode