Obwohl es in der Schweiz über 500'000 Menschen gibt, die von Blasenschwäche betroffen sind, handelt es sich dabei immer noch um ein Tabuthema in der Gesellschaft. Auch wenn geeignete Therapiemöglichkeiten die Lebensqualität von Betroffenen deutlich verbessern können, verzichten viele Betroffene auf ein klärendes Gespräch mit ihrem Arzt. Doch Scham ist hier fehl am Platz.

Martina Gloor

Schätzungen zufolge sind weltweit etwa 200 Millionen Menschen von Inkontinenz betroffen, wobei eine halbe Million in der Schweiz lebt. Doch wie viele Menschen tatsächlich an Blasenschwäche leiden, ist schwer zu sagen, denn der Grossteil traut sich aus Schamgefühl nicht zum Arzt. Viele Betroffene beeinträchtigt der ungewollte Urinverlust im Alltag: Sie isolieren sich mitunter gar von Freunden und Familie und vermeiden Unternehmungen – aus Angst, unterwegs die nächste Toilette nicht rechtzeitig zu erreichen. Auch die Geruchsbildung macht Betroffene häufig unsicher, viele scheuen dadurch den intimen Kontakt in der Partnerschaft. Diese Einschränkungen der Lebensqualität sind umso tragischer, wenn man bedenkt, dass das Krankheitsbild mittlerweile gut behandelbar ist.

Arten von Inkontinenz

Bei der Harninkontinenz handelt es sich um unwillkürlichen Urinverlust, der sowohl Männer als auch Frauen betreffen kann. Aufgrund von hormonellen und anatomischen Gegebenheiten sowie Schwangerschaften und Geburten leiden Frauen aber häufiger an Blasenschwäche. Für beide Geschlechter gilt: Inkontinenz ist nicht gleich Inkontinenz, denn die Medizin unterscheidet zwischen drei verschiedenen Arten: der Drang-, der Belastungs- und der Mischinkontinenz. Wer bei körperlicher Betätigung, beim Lachen oder Niesen ungewollt Urin verliert, ist häufig von einer Belastungsinkontinenz betroffen, bei der die Beckenbodenmuskulatur dem Druck nicht standhalten kann. 

Während bei der Belastungsinkontinenz oftmals ein schwacher Beckenboden ausschlaggebend ist, sind die Ursachen bei der Dranginkontinenz komplexer. Neben neurologischen Erkrankungen können auch hormonelle Schwankungen diese Art der Inkontinenz auslösen. Die Symptome – hauptsächlich ein häufiger und vor allem plötzlicher Harndrang – können den Alltag durcheinanderbringen. Wer bei körperlicher Betätigung Urin verliert, aber auch insgesamt vermehrt starken und plötzlichen Harndrang verspürt, kann von der Mischinkontinenz betroffen sein. Die Diagnose kann allerdings nur der Arzt stellen. 

Alltag mit Blasenschwäche

Aufgrund diverser Therapiemöglichkeiten ist eine Blasenschwäche gut behandelbar und in manchen Fällen sogar heilbar. Doch dafür ist ein Gespräch mit einem Arzt unabdingbar, denn nur dieser kann die Ursachen diagnostizieren und die Blasenschwäche behandeln. Aber auch die Betroffenen selbst können einiges tun, um der Blasenschwäche entgegenzuwirken. So haben zum Beispiel Forscher der University of Alabama 2013 herausgefunden, dass Kaffee bei Männern Inkontinenz fördern kann. Dazu befragten die Forscher rund 4‘000 Männer zu ihrem Wasser- und Kaffeekonsum. Dabei wurde bei denjenigen ein erhöhtes Risiko für unkontrollierten Harnverlust festgestellt, die täglich mehr als 392 Milligramm Koffein zu sich nahmen. Neben Verhaltensänderungen wie dem Verzicht auf Koffein können auch medikamentöse Behandlungen helfen; zudem gibt es diverse Operationsverfahren, die bei Inkontinenz zum Einsatz kommen können. 

Unabhängig von der individuellen Diagnose und den Therapiemöglichkeiten sollten Betroffene aktiv werden und etwas für ihren Körper tun. So ist beispielsweise ein gesundes Körpergewicht wichtig, um die Beckenbodenmuskulatur zu entlasten. Sie lässt sich auch durch gezieltes Training stärken. Pilates und Yoga gelten als besonders geeignete Sportarten, um nicht nur die großen Muskelgruppen zu trainieren, sondern auch die Tiefenmuskulatur. Möglich machen dies neben den Dehn- und Kräftigungsübungen auch Atemübungen. Ein weiterer Vorteil von sportlicher Aktivität: Betroffene verbessern ihr Körpergefühl – und auch das ist wichtig, um seinen Alltag trotz Blasenschwäche geniessen zu können. 

 

Symbolbild von Rike / pixelio.de

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