Die weltweit verfügbaren Trinkwassermengen sind sehr unterschiedlich verteilt. Mitteleuropa und speziell Deutschland sind in der komfortablen Situation, über sehr grosse Frischwasservorkommen zu verfügen. Der Zugang zu frischem Wasser ist ein hohes Gut. Trotz der grossen Verfügbarkeit wird in Deutschland über den Umgang mit Wasser diskutiert.

Martina Gloor

Der Klimawandel verändert den Verbrauch und die Regeneration von Trinkwasserspeicher. In manchen Regionen wird Leitungswasser in heissen und regenarmen Sommermonaten knapp. Nur ein bewusster Umgang mit der kostbaren Ressource macht Wasser auch in Zukunft für alle Menschen frei zugänglich. Neue Technologien und Aufklärung der Bevölkerung tragen zum schonenden Umgang bei.

Die aktuelle Situation in Deutschland
In der Bundesrepublik ist der Verbrauch von Trinkwasser in den letzten 15 Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Im Schnitt verbraucht ein Bundesbürger 120 Liter Wasser pro Tag. Der Vergleich mit anderen Industriestaaten offenbart, das Deutsche schon heute zu den Weltmeistern im Wasser sparen gehören. Europaweit verbrauchen nur die Belgier so wenig Frischwasser. In der Schweiz liegt der durchschnittliche Verbrauch mit 237 Litern fast doppelt so hoch. Die USA sind mit 295 Liter Verbrauch von Wasser pro Person und Tag sehr verschwenderisch.
Trotz des geringen Verbrauches mahnen Wasserschutzverbände und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit zu einem bewussteren Umgang mit der kostbaren Ressource. Privatpersonen können noch mehr zum Sparen von Wasser beitragen, ebenso wie die Industrie.

Regionale Wasserknappheit
Die Bedeutung des Sparpotenzials ist in den heissen und niederschlagsarmen Sommer 2018 und 2019 deutlich geworden. Hinsichtlich der Grundwasserversorgung besteht bundesweit kein Defizit. Die niedrigen Niederschlagsmengen in einigen Regionen des Landes sowie die Verfügbarkeit von Oberflächengewässern und der Bedarf schwanken jedoch. Das hat dazu geführt, das in diversen Landkreisen zum bewussten Wasserverbrauch aufgerufen wurde.

Die heissen Sommer der letzten Jahre führten vor allem weiten Teilen von Ostdeutschland zu einer Wasserknappheit. In der Region fällt weniger Regen als beispielsweise im mittleren Bayern. Gleiches gilt für die Lüneburger Heide. Auch hier ist es vor allem fehlender Niederschlag, der die Trinkwasserreservate schrumpfen lässt. Weitere Regionen, die wiederholt unter einem knappen Angebot von Frischwasser litten:

  • Der südliche Schwarzwald
  • Das rheinische Schiefergebirge
  • Das westliche Ostfriesland
  • Das südliche Moränenland

Industrie ist gefordert
Ein knappes Angebot an Trinkwasser ist nicht nur für Privathaushalte ein Problem. In der Vergangenheit haben regionale Wasserversorger bereits zu Beschränkungen der Wasserverschwendung aufgerufen und das Bewässern von Rasenflächen mit einem Rasensprenger oder das Befüllen eines Pools verboten.

Unter der Knappheit leidet die Industrie. Die Landwirtschaft kann Felder nicht bewässern und grosse Kraftwerke ihre Anlagen nicht mit Frischwasser kühlen. Das hat sogar schon dazu geführt, das der Essener Kraftwerksbetreiber Steag ein Steinkohlekraftwerk aufgrund eines zu niedrigen Wasserstandes in der Leistung gedrosselt hat.

Neue Technologien ermöglichen es schon heute, den Wasserverbrauch deutlich zu reduzieren. In der Fertigungsindustrie werden vermehrt Sensoren eingesetzt, die den Wasserstand und die Feuchtigkeit messen. Füllstandssensoren und Niveaufühler tragen zu einem reduzierten Wasserverbrauch bei. Neue Substanzen und erforschte Pflanzengene werden verwendet, den Wasserbedarf von Pflanzen und Felder zu reduzieren. Auf breiter Linie forschen Wissenschaftler und Ingenieure nach Möglichkeiten, den weltweiten Wasserverbrauch zu optimieren und zu senken.

In der Schweiz hat die SBB eine modernisierte Reinigungsanlage für Personenzüge in Betrieb genommen. Die automatisierte und mit Sensoren und Fühlern ausgestattete Anlage reduziert den Wasserbrauch um ein Drittel.

 

Symbolbild von piu700 / pixelio.de

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